Pes anserinus-Syndrom (Schmerzen am Gänsefuß)
Expertise – BEHANDLUNGSSCHWERPUNKT
Videoreihe - Schmerzfrei
Schmerzfreilaufen mit Dr. Matthias Marquardt
Pes anserinus-Syndrom
Inhaltsverzeichnis
Begriffserklärung
Synonyme
Landläufiger Name
Anatomie
„Pes anserinus“ wird die gemeinsame Ansatzsehne von Teilen der hinteren Oberschenkelmuskulatur (M. semitendinosus , hamstrings), des Schneidermuskels (M. sartorius) und des Schlankmuskels (M. gracilis) am oberen inneren (medialen) Schienbein etwa 5 cm unterhalb des Kniegelenkspaltes genannt (Pes anserinus superficialis). Zwischen den Sehnenansätzen und dem darunterliegenden Schienbeinknochen befindet sich ein Schleimbeutel (Bursa). (1, 2)
PES ANSERINUS

Risikofaktoren, Stadien und Diagnostik
Epidemiologie
Risikofaktoren
– Weibliches Geschlecht
– bekannte Gonarthrose
– Diabetes mellitus
– Langdistanzläufer
– rheumatische Erkrankung
– X-Bein
– Plattfuß
– Verkürzung der hinteren Oberschenkelmuskulatur
Beschwerden
Stadien und Verlauf
Diagnostik und Bildgebung
Entscheidend ist die Ursachenanalyse in der funktionellen Untersuchung mittels Analyse der Geh- und Laufbewegung. Hier können funktionelle X-Bein-Stellungen und Fehlrotationen des Kniegelenks sicher erkannt werden.
Sie leiden an Schmerzen am „Gänsefuß“? Dann sollten Sie wie folgt vorgehen:
- Bei leichten Schmerzen: Eis, Pause, Schmerzgel, 2 Wochen abwarten.
- Wenn dann nach 2 Wochen keine Besserung eintritt: Bitte einen Arzt aufsuchen.
Therapieformen bei Pes anserinus-Syndrom
Therapie
– Gewichtsreduktion bei Übergewicht
– Optimierung der Schuh- bzw. Einlagenversorgung (bei Knick-Senk-Fuß)
– Dehnung verkürzter Hamstrings (ischiocrurale Muskulatur, Oberschenkelrückseite)
– Optimierte Einstellung des Diabetes bzw. der Rheuma-Erkrankung
– Starke Achsfehlstellungen gegebenenfalls operativ ausgleichen
– Optimierung des sportartenspezifischen Trainings (Techniktraining, Schmerz als Element der Trainingssteuerung)
Der Einsatz der extrakorporalen Stoßwellentherapie (ESWT) ist auch in diesem Bereich, wie bei vielen anderen Sehnen- oder Sehnenansatzerkrankungen sinnvoll: Es konnte eine signifikante Schmerzreduktion gegenüber einer Scheinbehandlung gezeigt werden. (9) Auch ACP-Injektionen zeigten sich als wirksame Therapievariante: Nach 6 Monaten zeigte sich Schmerzfreiheit bei 84 % der Patienten. (10)
Eine Injektionstherapie mit Cortison sowie Lokalanästhetika kann die Beschwerden deutlich verbessern, vor allem bei nachgewiesenen Schleimbeutelentzündungen. (5) Hier ist allerdings Vorsicht geboten: Injektionen direkt in das Sehnengewebe kann Sehnennekrosen (Zerstörung des Sehnengewebes) und in der Folge Sehnenrisse hervorrufen. Eine Cortisoninjektion in den Schleimbeutel sollte nur bei nachgewiesener Bursitis (Schleimbeutelentzündung) erfolgen.
Eine spezifische physiotherapeutische Therapie ist allerdings der essentielle Therapiebestandteil: Quadrizeps- und Adduktorenkräftigung sowie Koordinations- und Propriozeptionstraining sorgen für eine verbesserte Stabilität. Auch die gezielte Dehnung der verkürzten ischiocruralen Muskulatur sowie Analyse und Verbesserung der sportartenspezifischen Bewegungsabläufe sollten fest integrierter Bestandteil der Therapie sein. (Bewegungsanalyse, Lauftechnik, Laufbibel)

ACP-Therapie
Die moderne Form der Eigenbluttherapie funktioniert ohne Cortison.
Effektiv bei: Achillessehnenschmerzen, Tennisarm und Schulterschmerzen.
3–5 Injektionen mit 7 Tagen Abstand
Prognose
Tipp von Dr. Marquardt

Sie vermuten, an einem Pes anserinus Syndrom zu leiden? Dann lassen Sie uns dies überprüfen. Vereinbaren Sie einfach einen Termin in unserer Praxis.
Solange können Sie sich mit dem unten ausgeführten Übungsprogramm bereits selber helfen. Weitere Übungen und Tipps zur Therapie und Prävention von Überlastungssyndromen finden Sie in der Laufbibel.
Schon gewusst?
Die Schmerzen auf der Innenseite des Knies führen häufig zur Verdachtsdiagnose eines Innenmensikusschadens. An das Pes anserinus Syndrom wird trotz des gelegentlichen Vorkommens mitunter nicht gedacht. Vor allem, wenn in der MRT-Untersuchung keine Auffälligkeiten entstehen. Nur mit Schmerzmitteln und Sportpause versorgt, wird die Situation für den Sportler aber oft frustrierend. Eine funktionelle Untersuchung mit Gang- und Laufanalyse kann die entscheidenden Erkenntnisse für die erfolgreiche Therapie liefern.
Übungsprogramm
Übung 1
Flossing Knie

Wiederholungsanzahl:
3–5 x 15
Übung 2
Dehnung Adduktoren & Ischiocrurale Muskulatur



Dehnung Adduktoren
Sie stehen im Grätschstand: Ihre Füße stehen ca. einen Meter auseinander. Die Fußspitzen zeigen nach vorn. Das zu dehnende Bein bleibt gestreckt – das andere Bein beugen Sie und verlagern Ihr Gewicht darauf, bis Sie ein Ziehen auf der Innenseite des getreckten Beins spüren. Drehen Sie nun den Fuß des zu dehnenden Beins mit der Fußspitze Richtung Decke.
Wiederholungsanzahl:
2 x 40–60 Sek. halten
Dehnung Ischiocrurale Muskulatur
Sie sollten bei der hinteren Oberschenkelmuskulatur einen Rundrücken verhindern. Hierfür spannen Sie bitte in der Grundposition, die aus einem ungefähr 20 Zentimeter vorgestellten Bein besteht, den Rückenbereich kräftig an und beugen den geraden Oberkörper nach vorn bis Sie eine Spannung an der Oberschenkelrückseite spüren. Der Fuß des gedehnten Beines steht dabei flach auf dem Boden. Die Zehen werden nicht zur Nasenspitze gezogen.
Wiederholungsanzahl:
2 x 40–60 Sek. halten
Übung 3
Kräftigung der Abd- und Adduktoren




Adduktoren in Seitlage
Sie befinden sich in Seitenlage. Der Körper ist gestreckt, auch die Beine. Bei einem senkrecht stehenden Becken, das nicht nach hinten abgekippt, winkeln Sie das obere Bein ab und heben das untere Bein von der Unterlage an. Heben und Senken Sie das Bein auf und ab.
Adduktoren in Seitstützlage
Sie befinden sich in Seitenlage. Der Körper ist gestreckt, auch die Beine. Bei einem senkrecht stehenden Becken, das nicht nach hinten abgekippt, legen Sie das obere Bein auf einen Kasten, winkeln Sie das untere Bein ab und heben das untere Bein von der Unterlage an. Heben und senken Sie das Becken auf und ab.
Wiederholungsanzahl:
jeweils 3 x 12 – 15
Übung 4
Beinachsenstabilität auf dem Balancepad






Stellen Sie sich einbeinig, ggf. barfuß auf ein Balancepad. Bauen Sie Körperspannung auf. Das Knie ist gestreckt, jedoch locker und beweglich, spannen Sie das Gesäß und den Bauch an, richten sich über die Wirbelsäule auf, die Schultern sind hinten unten und der Kopf gerade.
Variieren Sie die Übung, indem Sie immer wieder den Körperschwerpunkt verändern und Sie angehalten sind Ihr Gleichgewicht auszutarieren. Sie können die Position des freien Beines verändern, z. B. vorne hochziehen, nach hinten/zur Seite wegstrecken, vorne/hinten kreuzen. Ebenfalls können Sie einen Ball oder schweren Gegenstand um den Körper oder das freie Bein kreisen lassen oder sich einen Ball zuwerfen lassen. Achten Sie darauf, die Körperspannung, insbes. Gesäß und Bauch stetig aufgebaut zu halten und korrigieren dies, wenn die Spannung nachgelassen hat.
Steigerung: Führen Sie die Übung auf einem Bosu durch.
Wiederholungszahl:
3–5 x 2 Min./Seite
Kleine Squats mit Ball
Stellen Sie sich beidbeinig auf das Balancepad, nehmen Sie einen Ball (Medizinball, Fußball, o.ä.) oder eine Blackroll zwischen die Knie. Bauen Sie zunächst Körperspannung auf. Führen Sie mit dem eingeklemmten Ball eine kleine Kniebeuge durch. Der Ball bleibt stets fest zwischen den Beinen und der Therapiekreisel im Gleichgewicht.
Wiederholungsanzahl:
3 x 15
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QUELLEN
(1) Helfenstein M, Jr., Kuromoto J. Anserine syndrome. Rev Bras Reumatol. 2010;50(3):313-27.
(2) Schünke M, Schulte E, Schumacher U, Voll M, Wesker K. Prometheus Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Thieme, Stuttgart, NewYork, S; 2014.
(3) Bennell KL, Crossley K. Musculoskeletal injuries in track and field: incidence, distribution and risk factors. Aust J Sci Med Sport. 1996;28(3):69-75.
(4) Safran MR, Fu FH. Uncommon causes of knee pain in the athlete. Orthop Clin North Am. 1995;26(3):547-59.
(5) Larsson LG, Baum J. The syndrome of anserina bursitis: an overlooked diagnosis. Arthritis Rheum. 1985;28(9):1062-5.
(6) Cohen SE, Mahul O, Meir R, Rubinow A. Anserine bursitis and non-insulin dependent diabetes mellitus. J Rheumatol. 1997;24(11):2162-5.
(7) Brookler MI, Mongan ES. Anserina bursitis. A treatable cause of knee pain in patients with degenerative arthritis. Calif Med. 1973;119(1):8-10.
(8) Bartlett SJ. Clinical care in the rheumatic diseases: Association of Rheumatology Health Professionals; 2006.
(9) Khosrawi S, Taheri P, Ketabi M. Investigating the Effect of Extracorporeal Shock Wave Therapy on Reducing Chronic Pain in Patients with Pes Anserine Bursitis: A Randomized, Clinical- Controlled Trial. Adv Biomed Res. 2017;6:70.
(10) Rowicki K, Plominski J, Bachta A. Evaluation of the effectiveness of platelet rich plasma in treatment of chronic pes anserinus pain syndrome. Ortop Traumatol Rehabil. 2014;16(3):307-18.














