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Patellaspitzensyndrom (Patella-Tendinopathie)
viedeoreihe - schmerzfrei
Schmerzfreilaufen mit Dr. Marquardt
Patellaspitzensyndrom: Diagnose und Übungen
Inhaltsverzeichnis
Begriffserklärung
Synonyme
Ähnlich lautende Begriffe
Landläufiger Name
Anatomie
Die Patellasehne ist Teil des komplexen Knie-Streckapparates und bildet dessen Ansatzpunkt am vorderen Schienbein. Hier erfolgt also die Kraftübertragung auf den Unterschenkel, was die Kniestreckung ermöglicht. Bei vollständig gerissener Patellasehne ist eine kraftvolle Kniestreckung nicht mehr möglich.
Die Kniescheibe funktioniert als sogenanntes Hypomochlion, also als Drehpunkt des Quadrizeps und ermöglicht dadurch die Kraftübertragung mittels Hebelwirkung vom Oberschenkel auf den Unterschenkel. Oberhalb, also stammnah (proximal), der Kniescheibe ist die Quadrizepssehne zu finden. Diese sorgt für die Kraftübertragung des Muskels auf den restlichen Streckapparat, die Kniescheibe und die Patellasehne. Der Oberschenkelstrecker (M. quadriceps femoris) ist einer der größten und kräftigsten Muskeln des menschlichen Körpers. Wie der Name bereits verrät, hat er vier Köpfe (M. rectus femoris, M. vastus medialis, intermedius und lateralis). Während die drei Vastus-Köpfe am stammnahen (proximalen) Oberschenkel ihren Ursprung haben und somit mittels Streckapparat nur über das Kniegelenk ziehen (eingelenkig) ist der gerade Oberschenkelmuskel (M. rectus femoris) ein zweigelenkiger Muskel: Mit seinem Ursprung am Becken ist er nicht nur Kniestrecker, sondern auch Hüftbeuger. Oberschenkelstrecker und Patellasehne sind somit im Alltag und besonders im Sport großen mechanischen Belastung ausgesetzt.
Anatomie DER Patellasehne

Risikofaktoren, Stadien und Diagnostik
Epidemiologie
Die Patellasehnen-Tendinopathie ist der häufigste Grund, warum Sportler aus Sprungsportarten einen Arzt aufsuchen. (1) Sie ist mit einer Prävalenz von etwa 14 % sehr verbreitet und ist daher besonders im sportmedizinischen Bereich eine bedeutsame Erkrankung.
– Sprungsportarten wie Volleyball und Basketball am häufigsten betroffen
– Häufigster Grund für solche Sportler, zum Arzt zu gehen
– 30–40% der Elite-Athleten betroffen
Risikofaktoren
– wiederholte und andauernde Überlastung („overuse injury“)
– sprungintensive Sportart
– Mikrotraumata (kleinste Verletzungen)
– Übergewicht
– Verkürzung der ischiokruralen Muskulatur
– Verkürzung des Quadrizeps
Bedingt beeinflussbar:
– Knick-Senk- oder Hohlfuß (Pes planovalgus bzw. cavovarus)
– Beinlängendifferenz
– Sprungleistungsfähigkeit
– Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk
– zunehmendes Alter
– männliches Geschlecht
Die Patellasehnen-Tendinopathie wird in den Bereich der Überlastungsverletzungen (overuse injury) eingeordnet. Neben diversen Risikofaktoren ist wiederholte und andauernde Überlastung ein häufiger Auslöser für Sehnenerkrankungen. Sportmedizinisch entscheidend sind besonders Risikofaktoren, die beeinflussbar sind, da sie Angriffspunkte zur Verletzungsprävention aber auch für eine strukturierte Behandlung sind: Übergewicht, sportartenspezifische Trainingsumfänge und –intensitäten, aber auch der Zustand der Muskulatur, die die Kniefunktionen stabilisiert, sind hier von Bedeutung. Verkürzungen der hinteren und vorderen Oberschenkelmuskulatur (ischiocruralen Muskulatur und M. quadrizeps) können zu einer Mehrbelastung der Patellasehne führen und sind daher Risikofaktoren, die zur Entwicklung einer Sehnenerkrankung beitragen können. (3) Auch echte Beinlängendifferenzen und Fußfehlstellungen wie ein Senk-Platt-Fuß (Pes planovalgus) lassen sich durch Fußmuskeltraining und eine geeignete Einlagenversorgung trainieren und unterstützen.
Die Sprungleistungsfähigkeit der Athleten ist natürlich trainierbar. Doch hier gibt es genetische Unterschiede: Die Zusammensetzung der Muskulatur variiert von Mensch zu Mensch, so hat nicht jeder die gleichen Voraussetzungen bezüglich Schnellkraft, Sprint- und Sprungleistungsfähigkeit. (3) In einer 5-jährigen Studie an 150 Volleyball-Spielerinnen und – Spielern konnte herausgefunden werden, dass Athleten mit besseren Sprungfähigkeiten signifikant häufiger an einer Patellasehnen-Erkrankung erkranken. (4, 5)
Beschwerden
– Anlaufschmerzen und Schmerzen nach der Belastung
– dauerhafter Schmerz unter Belastung
– typischer Druckschmerz am unteren Pol der Kniescheibe
In Anfangsstadien der Erkrankung treten Schmerzen meistens zu Beginn einer Trainingseinheit auf und verschwinden oft bei fortgesetzter Belastung, vergleichbar mit den sogenannten Anlaufschmerzen bei der Achillessehnen-Erkrankung. Erst nach Beendigen der Belastung kehren die Beschwerden zurück – eine Konstellation, die besonders im Leistungssport häufig dazu führt, dass Beschwerden lange ignoriert werden und somit der Heilungsprozess erheblich verzögert wird. In der Folge schreitet die Sehnenerkrankung (Tendinopathie) voran und so geschieht es, dass Sportler erst in späteren Phasen bei ihrem Sportarzt landen. Nun besteht dauerhafter Schmerz unter Belastung, eine Ausübung der Sportart ist unmöglich, manchmal bestehen sogar Schmerzen in Ruhe.
Viele Betroffene können die Schmerzen sehr präzise am untereren Patellapol oder im Verlauf der Sehne lokalisieren. Dies ist der Grund für die landläufige Bezeichnung „Patellaspitzen-Syndrom”.
Typisch für die Patellasehnenerkrankung sind auch Schmerzen, die mit steigender Last auf dem Kniestrecker (M. quadriceps) stärker werden. Höheres Gewicht bei Kniebeugen, explosivere Ausführung oder aber Sprünge führen bei steigender Intensität, und damit zunehmender Belastung für den Kniestreckapparat, auch zu stärker werdenden Schmerzen. (6) Auch langes Sitzen, Hocken oder Treppengehen kann die Schmerzen provozieren.
Stadien und Verlauf
Die Patellasehnenerkrankung kann nach Lokalisation eingeteilt werden. Man unterscheidet: unterer Patella-Pol („Patellaspitze”), den mittleren Anteil („Midportion”) und den Ansatz am Schienbein (tibialer Ansatz). Der untere Pol der Kniescheibe ist mit Abstand am Häufigsten betroffen. In diesem Fall wird die Erkrankung auch Patellaspitzen-Syndrom genannt.
Klinisch gebräuchlich ist eine Einteilung des Patellaspitzensyndroms in 4 Phasen, die sich am Ausmaß der Beschwerden orientiert: (7)
– PHASE 1: Schmerzen in der infrapatellaren Region (untere Patella),
ausschließlich nach Aktivität
– PHASE 2: Schmerzen vor und nach Aktivität, Sport noch auf zufriedenstellendem Niveau durchführbar
– PHASE 3: Schmerzen vor und nach Aktivität, Sport nicht mehr möglich
– PHASE 4: Komplette Patellasehnenruptur
Auch die Patellasehnenerkrankung wird im Verlauf häufig von einer Sehnendegeneration (Tendinose) begleitet. So sei auch hier, wie auch schon im Beitrag Achillessehnenerkrankungen auf die verschiedenenen Phasen der Degeneration eingegangen:
- Reaktive Sehnenpathologie (Überlastungsreaktion)
- Sehnen-Dysrepair (ausbleibende Heilung)
- Endstage-Degeneration
Bei dieser zellbasierten Theorie (8) wird davon ausgegangen, dass sich das Sehnengewebe zumindest in frühen Stadien wieder regenerieren kann. Auslöser ist eine übermäßige mechanische Beanspruchung, die die Sehne „überfordert“ und zu einer Reaktion der Tenozyten (Sehnenzellen), sowie der umgebenden extrazellulären Matrix führt. Die Veränderung der Sehne erfolgt in den 3 folgenden Stadien:
Stadium 1 – Überlastungsreaktion
In der ersten Phase verdickt sich die Sehne und versucht durch Zellproliferation (Vermehrung von Gewebe) und Einbau von Proteinen der Belastung stand zu halten. Das Kollagen zeigt sich hingegen intakt.
Stadium 2 – Sehnen-Dysrepair
Unter anhaltender Belastung kommt es zur Desorganisation der Kollagenmatrix sowie zur Veränderung der Kollagenzusammensetzung. Dies führt zu einer verminderten Belastbarkeit der Patellasehne, was wiederum zur Folge hat, dass nun eine geringere mechanische Beanspruchung als vorher bereits eine Überlastung darstellt. Es entsteht ein circulus vitiosus, der unbehandelt im dritten Stadium mündet.
Stadium 3 – Endstage-Degeneration
Hier ist die Regenerationsfähigkeit des Sehnengewebes begrenzt: Es zeigen sich starke Veränderungen der Extrazellulären Matrix, vor allem des Kollagens, sowie Neubildungen von Gefäßen (Neovaskularisationen), die in das Sehnengewebe einwachsen. (5)
Diagnostik und Bildgebung
Die Diagnose Patellasehnenerkrankung ist eine klinische Diagnose. Zur Feststellung ist also nicht zwingend Gerätemedizin erforderlich. Der typisch lokalisierte Druckschmerz, sowie eine passende Anamnese mit klassischer Symptomatik führen gemeinsam in der Regel zur Diagnose.
Zur Therapieplanung und zur Beurteilung der Sehnenstruktur kann es allerdings sinnvoll sein, an die Anamnese und körperliche Untersuchung bildgebende Verfahren anzuschließen. Dabei sollte die Sonographie an erster Stelle stehen: Hier können etwaige degenerative Veränderungen (Tendinose) wie Desorganisation der Kollagenfasern oder Neovaskularisationen entdeckt und beurteilt werden, die wiederum später in der Therapie gezielt adressiert werden können.
Besonders bei Unklarheiten bzw. zum Ausschluss möglicher Differentialdiagnosen (z.B. Arthrose) können eine MRT-Untersuchung sowie konventionelle Röntgenbilder angeschlossen werden.
Hier sei betont, dass das Vorliegen von degenerativen Veränderungen allein nicht zwingend einen Krankheitswert hat. Im Zentrum steht die Symptomatik des betroffenen Patienten. Das soll heißen, dass ein gewisses Maß an Veränderung auch an der Sehne im Laufe des Lebens normal sind – behandelt wird in der Regel nur, was auch Probleme macht. Übungen und Exzentrik sind natürlich immer sinnvoll möglich und können auch präventiv wirken.
MRT des Kniegelenks
MRT des Kniegelenks
Therapieformen bei Patella-Tendinopathie
Therapie
Mithilfe einer guten Anamnese, der vollständigen klinischen Untersuchung sowie auch einer Analyse des Schuhwerkes bzw. möglicher Einlagen können schon die meisten Risikofaktoren, etwa muskuläre Defizite und Dysbalancen, Fehlstellungen, Verkürzungen, falsches Schuhwerk bzw. unpassende Einlagenversorgung etc. identifiziert werden. Weitere feinere Informationen sollten dann eine Bewegungsanalyse und eine Fußdruckmessung liefern. Auch Technikfehler, die erst in der Bewegung zum Vorschein kommen, können so erkannt werden.
Die erkannten Risikofaktoren bieten dann einen Ansatzpunkt zur Optimierung des Trainingsprozesses und werden somit zum Baustein der individuellen Therapie des Athleten.
Grundpfeiler der konservativen Sehnentherapie:
- Exzentriktraining/alternatives Krafttrainingsprogramm
- Dehnung
- Stoßwellentherapie (ESWT)
- Injektionstherapie (ACP, Sklerosierung)
- Supportive Maßnahmen: Flossing, Taping, Analgesie, Bandagen
Exzentriktraining
Der mit Abstand wichtigste Pfeiler mit der besten Evidenzlage ist das Exzentriktraining – in diesem Falle des großen Quadrizepsmuskels auf der Oberschenkelvorderseite. Die exzentrische Kontraktion ist eine Anspannung des Muskels bei gleichzeitiger Verlängerung seiner Fasern. Sie ist besonders intensiv und ruft einen starken Trainingsreiz mit folgender Anpassungsreaktion für die Muskulatur und im Besonderen für die Sehnen hervor. Dies führt zur Umstrukturierung und Heilung des Sehnengewebes mit dem Ziel, stärkeren Belastungen standzuhalten.
Das Exzentriktraining wird aufgrund häufiger Beschwerden zu Beginn des Trainings in ein Stufentrainingsprogramm (6) mit langsam steigender Belastung integriert, das sich an den Beschwerden des Athleten orientiert. Die Schmerzintensität steuert das Training und wird dafür in einer nummerischen Schmerzskala von 0 bis 10 eingeteilt. 0 bedeutet auf der Skala kein Schmerz, 10 hingegen den größtmöglichen Schmerz. Für das Training bedeutet dies:
0–3 sichere Zone = Trainingsreiz vorsichtig steigern
3–5 akzeptable Zone = Trainingsreiz beibehalten
5–10 riskante Zone = Trainingsreiz reduzieren
Stoßwellentherapie
Die Stoßwellentherapie (ESWT = Extrakorporale Stoßwellen-Therapie) konnte im Rahmen von Studien an der Achillessehne ähnliche Ergebnisse wie das Exzentriktrinaing zeigen und wird daher ebenfalls standardmäßig als Teil des multimodalen Therapiekonzeptes zur Sehnentherapie auch im Bereich der Patellasehne eingesetzt. Eine Kombination aus Exzentriktraining und Stoßwellentherapie verspricht den größten Therapieerfolg.
Injektionstherapie
Eine weitere Alternative bei fortgeschrittener Degeneration ist die Sklerosierungstherapie: Ultraschallgesteuert wird ein Medikament namens Polidocanol (Wirkstoff: Aethoxysklerol) unter Sichtkontrolle in den Bereich mit fortgeschrittener Gefäßneubildung injiziert. Es zeigte sich, dass eine Reduktion der Neovaskularisation auch eine Schmerzreduktion bedeuten kann. Forscher konnten teilweise eine vergleichbare Wirksamkeit wie bei chirurgischem Vorgehen beobachten.
Auch für die sogenannte PRP- (plateled rich plasma) oder ACP- (autologous conditioned plasma) Therapie gibt es in neueren Studien positive Hinweise für dessen Wirksamkeit. Hierbei wird ein thrombozytenreiches (Blutplättchen zur Blutstillung) Plasma nach Blutabnahme und Zentrifugierung in den degenerierten Bereich injiziert: Mithilfe von körpereigenen Wachstumsfaktoren kann die Regeneration der Sehne gefördert werden.
Supportive Therapie
Einzig auf eine spezielle, traditionell sehr häufig zum Einsatz kommende Bandage, soll kurz eingegangen werden: Die Patellabandage/das Patellaband.
Dies ist eine kleine Bandage, die direkt unterhalb der distalen Patellaspitze getragen wird. Sie übt Druck auf die Patellasehne aus, da sie recht straff gespannt ist und soll in der Theorie die Belastung der Sehne reduzieren, in dem der Winkel zwischen Sehne und Ansatz an der unteren Kniescheibe erhöht und somit die Hauptbelastungszone verlagert wird. Die Studienlage hierzu ist widersprüchlich. Einige Studien, in denen allerdings die Ursachen des vorderen Knieschmerzes (siehe Differentialdiagnosen) nicht differenziert wurden, zeigen eine Verbesserung der Symptome durch Tragen der Bandage. In anderen zeigt sich kein signifikanter Effekt. (13)
Es bleibt daher ein möglicher Baustein, der in der Akutphase unterstützend zum Einsatz kommen kann, wird allerdings keine der bereits genannten Therapiephasen ersetzen. Ziel sollte außerdem langfristig immer das Leben und auch Sporttreiben ohne Bandage sein – Stabilität oder Unterstützung von Außen sind oft sinnvolle Elemente für die Akutphase. Langfristig muss der Körper alleine klarkommen und sollte entsprechend trainiert werden.
Auch ein additiver Einsatz von Flossing und Kinesiotaping ist im Spitzensport bewährte Praxis und kann richtig eingesetzt eine gute Unterstützung darstellen.
Operative Therapie
In der operativen Therapie der Patellasehnentendinopathie gibt es eine Reihe von Methoden. Die Denervierung und/oder Resektion des unteren knöchernen Patella-Pols unter Schonung der Patellasehne soll der Schmerzlinderung dienen und steht im Zentrum der chirurgischen Überlegungen (9). Arthoskopische Verfahren zeigen sich hinsichtlich ihrer Erfolgsraten gegenüber offenen Verfahren überlegen (return-to-sport Raten über 80%) . Man konnte hier außerdem deutlich kürzere Rehabilitationszeiten gegenüber offen chirurgischen Verfahren beobachten (10).

Die Verödung von Gefäßneubildungen kann Schmerzen lindern.
Effektiv bei: Achillessehnenschmerzen und Patellasehnenschmerzen.
3–5 Injektionen unter Ultraschallkontrolle.
Prognose
50–70 % der Patienten erzielen durch Exzentriktraining eine Besserung der Beschwerden. Gemeinsam mit Stoßwellentherapie, Injektionen, Flossing und weiteren Therapien ist also eine konservative Therapie erfolgversprechend. Erst, wenn nach 12 Monaten kein Fortschritt zu erkennen ist, kann über chirurgische Verfahren nachgedacht werden, die aber gerade bei degenerierten Sehnen nicht immer eine Option darstellen.
Die Patellasehnen-Tendinopathie ist eine ernst zunehmende Überlastungsverletzung, die nicht selten sogar das Karriere-Ende bedeuten kann: Laut einer Studie mussten 53 % der betroffenen Profi-Athleten den aktiven Profisport an den Nagel hängen. Andere Daten haben gezeigt, dass etwa 1/3 der Betroffenen innerhalb eines Jahres ihre Sportart nicht wieder aufnehmen konnten. (6)
Ein Grund dafür könnte die deutlich eingeschränktere Toleranz des Exzentriktrainings durch die Patienten sein. Die Wirksamkeit ist zwar hinreichend belegt, doch die Umsetzung erscheint oft aufgrund der ausgeprägteren Schmerzhaftigkeit im Gegensatz zur Achillessehnen-Tendinopathie problematisch. Bei vielen Betroffenen sind also weniger aggressivere Programme von Nöten, was den Rehabilitationsprozess verlängern kann.
Tipp von Dr. Marquardt

Die ideale Mikronährstoff-Versorgung ist wichtig für erfolgreiches Training!
Die Sehnentherapie mit Stoßwellentherapie, ACP und Laser ist das Wichtigste, aber Sie sollten die Versorgung mit Mikronährstoffen nicht vergessen! Die Kollagensynthese, also die Sehnenreparatur, benötigt Mikronährstoffe wie zum Beispiel Vitamin C, Eisen und Omega-3-Fettsäuren. (11) Mangelzustände können die Sehnenregeneration behindern. Mit unseren Sehnen-Infusionen gleichen Sie Ihre Defizite aus, damit ihrem Ziel nichts mehr im Wege steht.
Schon gewusst?
Auch bei der Patellasehnentendinopathie ist das Exzentriktraining eins der wichtigsten Therapie-Elemente. Besonders in fortgeschritteneren Stadien ist die Umsetzung aufgrund der Schmerzhaftigkeit oft schwierig. Das klassiche Exzentriktraining erscheint zu aggressiv. Für solche Fälle ist ein alternatives progressives 4-Phasen-Rehabilitationsprogramm konzipiert worden. Dieses beinhaltet sowohl isometrische als auch isotonische Übungen für die gesamte kinetische Kette. Mittels eines Provokationstests wird zu Beginn der Therapie entschieden, ob ein klassisches Exzentrik-Programm durchgeführt werden kann oder ob auf das weniger aggressive Programm zurückgegriffen wird. (6)
Hinter der Patellasehne liegt der sogenannte Hoffa-Fettkörper. Dieser ist sehr gut mit Gefäßen und Schmerzfasern versorgt. Man nimmt an, dass er in der Entstehung des Schmerzes bei der Patellasehnentendinopathie eine wichtige Rolle spielt. (12)






Übungsprogramm
1. ISOMETRISCHES TRAINING
Wichtig für: Schmerzreduktion und vorsichtigen Beginn der erneuten Sehnenbelastung



Übung 2


2. ISOTONISCHES TRAINING
Wichtig für: Muskelwachstum und Kraft bei funktionellem Bewegungsausmaß

Übung 2


3. EXZENTRIKTRAINING DER QUADRIZEPS-MUSKULATUR
Flossing mit Exzentrik Ausfallschritte (mit Decline Board)





Positionieren Sie sich einbeinig. Führen Sie nun eine einbeinige Kniebeuge durch (bis etwa 90° Beugung im Knie). Achten sie auf eine langsame und kontrollierte Bewegungsausführung. Wenn die Übung so mit akzeptablem Schmerzniveau durchgeführt werden kann, sollte sie auf einer abfallender Fläche (z.B. Decline Board) durchgeführt werden. Sie sind die Schmerzen anfangs noch zu stark, so kann in den Belastungsphasen ein Stab zur Unterstützung zur Hilfe genommen werden, auf dem Sie sich in der konzentrischen Phase (Streckung) stützen können.
Flossen Sie das Knie beginnend vom Unterschenkel zum Herzen führend über das Knie und den Oberschenkel.
Sie geben den Zug jeweils einseitig auf die Vorderseite des Beines/Knies, halten den Zug und lassen den Zug locker um das Knie weiter auslaufen. Decken Sie die komplette Haut ab. Die letzte Umwicklung führen Sie locker durch und stecken das Band fest unter die letzte Lage. Gehen Sie zuerst ein paar Meter, um auszuschließen, das Sie kein Gefäß abgeschnürt haben. Führen Sie nun das Exzentriktraining* auf dem Declineboard durch. Wickeln Sie das Band nach jedem Durchgang zügig ab und stellen sich hin, damit das Blut – wie ein Wasserfall – in den Fuß zurückfließen kann. Für die nächste Serie flossen Sie das Knie erneut.
*Exzentriktraining Positionieren Sie sich einbeinig auf dem Board. Stellen Sie das nicht betroffene Bein in einem weiten Ausfallschritt nach hinten. Führen Sie nun eine Kniebeuge mit einem leichten Vorschub des Knies auf der betroffenen Seite. Achten Sie darauf, den Körper aufrecht zu halten und ebenfalls auf eine langsame und kontrollierte Bewegungsausführung. Diese wird in der Abwärtsbewegung doppelt so langsam ausgeführt, wie in der Aufwärtsbewegung.
Bei starkem Schmerz in den Belastungsphasen nehmen Sie zur Unterstützung einen Stab zu Hilfe, auf dem Sie sich in der konzentrischen Phase (Streckung) stützen können.
Bei sehr starken Beschwerden können Sie die Übung statisch haltend (isometrisch) ausführen.
Wiederholungsanzahl:
3 x 15 je Seite für mind. 12 Wochen oder
3 x 20–40 sek (n. Schmerzintensität) am tiefsten Punkt haltend
Übung 2




Flossen Sie das Knie beginnend vom Unterschenkel zum Herzen führend über das Knie und den Oberschenkel wie in Übung 3 beschrieben.
Führen Sie nun das Exzentriktraining* auf dem Declineboard durch. Wickeln Sie das Band nach jedem Durchgang zügig ab und stellen sich hin, damit das Blut – wie ein Wasserfall – in den Fuß zurückfließen kann. Für die nächste Serie flossen Sie das Knie erneut.
*Exzentriktraining Positionieren Sie sich einbeinig auf dem Board. Das nich betroffene Bein wird frei nach hinten geführt und dort gehalten. Führen Sie nun eine Kniebeuge mit einem leichten Vorschub des Knies auf der betroffenen Seite durch. Achten Sie auf eine langsame und kontrollierte Bewegungsausführung. Diese wird in der Abwärtsbewegung doppelt so langsam ausgeführt, wie in der Aufwärtsbewegung.
Bei starkem Schmerz in den Belastungsphasen nehmen Sie zur Unterstützung einen Stab zu Hilfe, auf dem Sie sich in der konzentrischen Phase (Streckung) stützen können.
Bei sehr starken Beschwerden können Sie die Übung statisch haltend (isometrisch) ausführen.
Wiederholungsanzahl:
3 x 15 je Seite für mind. 12 Wochen oder
3 x 20–40 sek (n. Schmerzintensität) am tiefsten Punkt haltend
4. ENERGIE-SPEICHERNDE-ÜBUNGEN
Springen, landen, abstoppen, drehen
Diese Therapiephase beinhaltet Übungen, die die Sehne fordern, um kontrolliert ihre Belastbarkeit und Stärke zu erhöhen. Voraussetzung für diese Rehabilitationsphase sind gute Kraftwerte und, wie in jeder Phase eine gegebene Toleranz der Belastung (Schmerzprovokationstest mit Decline Squat am Anfang eines jeden Trainingstages).
Beispielübungen:
In dieser Stufe ist das Training bereits sehr individuell auf die sportartenspezifischen Anforderungen abgestimmt und sollte ebenfalls behutsam und schmerzgesteuert gesteigert werden. Hierbei ist das Wissen darüber, wie belastend welche Übung für die Sehne ist, entscheidend. Die Landung nach einem Sprung in die Weite (horizontal) ist zum Beispiel mehr als doppelt so belastend wie die Landung nach einem Sprung in die Höhe (vertikal). Trainingsziel: Besonders im Spitzensport existieren genaue Daten über die Anforderungen an den Sportler, zum Beispiel darüber, wie oft ein Fußballer auf seiner Position während eines 90-minütigen Spieles springen, landen oder die Richtung wechseln muss. Erst, wenn er vergleichbare Wiederholungen problemlos, das heißt schmerzarm erreichen kann, ist er bereit für die nächste Rehabilitationsstufe.



Übung 2



Übung 3










Übung 4



Pylon 1 bis Pylon 2–5 Meter locker Laufen
Pylon 2 bis Pylon 3–30 Meter Sprint mit 60% der Maximalgeschwindigkeit
Pylon 3 bis Pylon 4–5 Meter locker Laufen
Übung 5



Laufen Sie 5 m locker los. Sie führen Zick-Zack Läufe an der Koordinationsleiter durch.
Alternativ führen Sie die Übung mit Pylonen durch. Sie laufen 5 m locker bis zum ersten Pylon. Sie laufen von Pylon bis zum nächsten Pylon, im Zick-Zack.
5. RETURN TO SPORT
Sportartenspezifisches Training
Ist der Athlet fit genug und erfüllt oben genannte Voraussetzungen, so kann er langsam wieder ins Vereinstraining einsteigen. Zu Beginn sollte das Training von der Intensität der Phase 3 entsprechen und schrittweise durch Phase 4-Übungen ersetzt werden.
Übungen vorheriger Phasen werden dennoch weitergeführt und vor allem an Ruhetagen absolviert.
Jeder Trainingstag wird zwangsläufig in den darauffolgenden Stunden, in diesem Modell anhand einer 24-Stunden-Schmerzantwort, reevaluiert. Werden die Beschwerden schlimmer, heißt es 1 Gang zurück. Alles im Rahmen? Weiter nach Plan.



z. B. Hopserlauf
Führen Sie bei langsamer Fortbewegung ausschließlich nach oben gerichtete „Hopser“ aus. Achten Sie dabei auf eine maximale Streckung des Sprungbeins sowie einen 90°-Winkel in Hüfte und Knie beim Spielbein. Die Arme werden kreuzkoordiniert mitgeführt. Zur Gewöhnung können Sie gerne nach jedem „Hopser“ mehrere Zwischenschritte machen, bevor Sie den nächsten „Hopser“ in Angriff nehmen.
Weiterführende Infos
Eine gute Trainingsplanung ist das A und O für die Sehnengesundheit. Hier finden Sie weitere hilfreiche Quellen oder Sie machen einfach einen Termin in unserer Praxis. Wir helfen Ihnen gerne.
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QUELLEN
(1) Pierets K, Verdonk R, De Muynck M, Lagast J. Jumper’s knee: postoperative assessment. A retrospective clinical study. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 1999;7(4):239-42.
(2) Lian OB, Engebretsen L, Bahr R. Prevalence of jumper’s knee among elite athletes from different sports: a cross-sectional study. Am J Sports Med. 2005;33(4):561-7.
(3) Sprague AL, Smith AH, Knox P, Pohlig RT, Gravare Silbernagel K. Modifiable risk factors for patellar tendinopathy in athletes: a systematic review and meta-analysis. 2018.
(4) van der Worp H, van Ark M, Roerink S, Pepping GJ, van den Akker-Scheek I, Zwerver J. Risk factors for patellar tendinopathy: a systematic review of the literature. Br J Sports Med. 2011;45(5):446-52.
(5) Becher C, Camathias C, Cook J, Doral MN, Eder K, Engelhardt M, et al. Die Sehne: Leitfaden zur Behandlung von Sehnenpathologien: Walter de Gruyter GmbH & Co KG; 2017.
(6) Malliaras P, Cook J, Purdam C, Rio E. Patellar Tendinopathy: Clinical Diagnosis, Load Management, and Advice for Challenging Case Presentations. J Orthop Sports Phys Ther. 2015;45(11):887-98.
(7) Blazina ME, Kerlan RK, Jobe FW, Carter VS, Carlson GJ. Jumper’s knee. Orthop Clin North Am. 1973;4(3):665-78.
(8) Cook JL, Purdam CR. Is tendon pathology a continuum? A pathology model to explain the clinical presentation of load-induced tendinopathy. Br J Sports Med. 2009;43(6):409-16.
(9) Johnson DP, Wakeley CJ, Watt I. Magnetic resonance imaging of patellar tendonitis. J Bone Joint Surg Br. 1996;78(3):452-7.
(10) Brockmeyer M, Diehl N, Schmitt C, Kohn DM, Lorbach O. Results of Surgical Treatment of Chronic Patellar Tendinosis (Jumper’s Knee): A Systematic Review of the Literature. Arthroscopy. 2015;31(12):2424-9.e3.
(11) Weinert F, Authorsen S. Klinische Wirksamkeit einer supportiven Ernährungstherapie bei Patienten mit Tendopathien. Ernährung & Medizin. 2010;25(04):172-7.
(12) Sanchis-Alfonso V, Rosello-Sastre E. Anterior knee pain in the young patient–what causes the pain? „Neural model“. Acta Orthop Scand. 2003;74(6):697-703.
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(14) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8070614/
(15) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8070614/bin/bjsports-2020-103403supp001.pdf














